2009 entschloss ich mich, den Schritt in die Freiberuflichkeit zu wagen. Es gärte schon lange in mir, 10 Jahre war ich bereits berufstätig in Festanstellungen in Werbeagenturen und Unternehmensberatungen, so richtig glücklich war ich aber nicht damit. Das „Korsett“ war mir einfach zu fest geschnürt.

Los ging es. Zunächst machte ich noch eine umfangreiche (6 monatige) Coaching-Ausbildung. Unter anderem auch, weil Coaching ein Angebot meines Portfolios werden sollte.

Gegen Ende der Ausbildung schrieb ich meinen Businessplan – das half mir, meine eigenen Fragen zu beantworten und mein Angebot durchzukalkulieren. Was muss ich ab jetzt selbst bezahlen? Gibt es Anschaffungen? Wieviel brauchte ich zum Leben? Wieviel ist mein Angebot am Markt wert? Wie soll meine Außendarstellung wirken?

So langsam führte ich also erste Gespräche, es kamen die ersten Aufträge. Es ging los. Und schon bald gab es kein Halten mehr….

Was sind die positiven Seiten?

Nix muss. Nein, das ist natürlich nicht richtig, das Geld wächst bei mir nicht auf dem Baum und irgendwann muss man doch wieder… aber grundsätzlich habe ich die Freiheit „nein“ zu einer Beauftragung zu sagen. Weil mir das Produkt nicht paßt. Weil mir der Markenansatz nicht gefällt. Weil der Auftraggeber in Pusemuckelhausen sitzt.
Daneben habe ich ein sehr sehr vielfältiges Aufgabengebiet, ich lerne sehr unterschiedliche Branchen kennen, komme rum, lerne immer neue Menschen kennen.

Was sind die Kehrseiten?

Die Bürokratie. Ich habe keinen Bock auf meinen Papierkram, überhaupt nicht. Jetzt kann man sicher auch eine Menge outsourcen, man sollte sich aber auch das gut überlegen, denn ich habe da ganz gern die Kontrolle.
Weiter gibt gesetzliche Vorgaben, die ich einfach nur absurd finde und die mich ausbremsen. Noch schlimmer: die mangelnde Aufklärung darüber. Ständig muss man am Ball bleiben. Darf ich dieses oder jenes noch tun?
7 Jahre Freiberuflerin

Als weiteren Punkt muss ich sagen, dass das oben so positiv genannte „Rumkommen“ und die „Vielfalt“ auch schnell mal kippen können. Manchmal, wenn die Aufträge sehr schnell wechseln, finde ich es extrem anstrengend, mich wieder neu einzuarbeiten. Zwar bin ich darin routiniert und erhalte oft das Feedback „wie schnell das geht“.

Aber immer wieder habe ich neue Menschen um mich herum, neue Systeme, eine andere Organisationsatmosphäre, ich muss erst mal herausfinden, was die Menschen tun, was ihnen wichtig ist, mich auf den „Geist des Hauses“ einlassen und letztlich muss auch ich mein Können wieder neu unter Beweis stellen, bis das Vertrauen da ist.

Spannend, aber nicht unanstrengend.

Was habe ich überschätzt?

Akquise. Ich bin überhaupt keine Rampensau und für mich selbst laut zu Trommeln ist nicht so mein Ding. Ich hätte gedacht, dass würde bei mir ein Showstopper werden. Naja ein ganz klein wenig bin ich da reingewachsen (und trommel inzwischen leise) – aber das Tolle ist, dass ich 80% meiner Aufträge über Empfehlungen erhalten – das Trommeln haben irgendwie andere für mich übernommen 😀 *stolz* *undistdasjetztnichtauchtrommeln*

Was habe ich unterschätzt?

Auch hier: den Papierkram und somit auch ganz massiv den damit verbundenen Zeitaufwand. Damit meine ich nicht nur die Buchhaltung, sondern eben sie Tatsache, ALLES selbst klären zu müssen: der Laptop hängt? DSL ist langsam? Zugticket buchen? Beim Hoster anrufen? Den Webentwickler briefen? Wenn ich es nicht mache, macht es niemand. Das sind locker 0,5-1 Tag in der Woche. Am Anfang habe ich viel zu oft am Wochenende nochmal da gesessen, was meine Gesundheit mir irgendwann quittiert hat – inzwischen versuche ich mir den Freitag dafür freizuhalten.

Was habe ich gut gemacht?

Ich liefere eine solide Arbeit ab. Immer mit einem gewissen Twist, Dinge zu verändern, zu gestalten. Dabei werde ich nicht gleich zum Bulldozer, sondern bringe eher subtil meine Ideen ein.

Woran muss ich wachsen?

Öfter Nein zu sagen. Dieses Jahr ist Urlaub einfach zu kurz gekommen. Wenn meine letzte/derzeitge Beauftragung nicht „Teilzeit“ gewesen wäre, hätte ich diese aber auch abgelehnt. Aber so… ach nimmt man die dann doch nochmal mit. Da mache ich einfach noch zu oft Kompromisse mit mir selbst.

Resümee: Ich möchte keinen Tag missen. Mit all den Höhen und Tiefen. Ich glaube nicht, dass es da draußen einen Arbeitgeber gibt, der es mir ermöglicht, meinen vielfältigen Interessen in diesem Maße nachzugehen: Marketing, Kampagnen, Marken-Workshops geben, Social Media, Bloggen, Coachen, Weiterbildungen/Vorträge besuchen, all das! (falls es doch einen solchen Arbeitgeber gibt, bitte melden 😉 )

Nächstes Jahr stehen ein paar Veränderungen in meiner Positionierung an und eine neue Idee wird gelauncht. Seid gespannt!

2017 kann kommen 🙂

businessvision

Was macht ihr so beruflich und seid ihr glücklich damit? Was würdet ihr ändern? Was würdet ihr beruflich machen, wenn es keinerlei finanziellen Beweggründe geben würdet?