Mein treuer Begleiter und Held, ein 12 Jahre alter Peugeot 206 cc, den ich 9 Jahre gefahren bin, hat mich im Stich gelassen. Von heute auf morgen. Keine Kraft mehr auf der Autobahn. Und das inmitten einer Beauftragung, in der ich wirklich auf einen Wagen angewiesen bin.

Die Werkstatt diagnostizierte mir den Turbolader, Kostenvoranschlag 1.700 €. Erst war ich traurig, dann wütend. „Soviel ist der Wagen ja nicht mehr wert“, schimpfte ich. Was hatte ich nicht alles schon reingesteckt in die Möhre…..Zahnriemen letztes Jahr, Bremsen, Wasserpumpe. Es reicht. Trennen tut weh, aber da mussten wir durch.

So habe ich den Wagen geputzt, poliert, fotografiert und auf diversen Portalen eingestellt.

Natürlich inklusive ausdrücklichem Hinweis, dass der Turbolader des Wagen defekt sei. Hat aber keiner gelesen. „Was is‘ letzter Preis?“ war die häufigste Frage. „Wollen Sie sich den Wagen nicht erst mal ansehen?“ „Äh… sie haben aber gelesen, dass…“ Er war mühselig. Wurden Treffen vereinbart, wurde ich auch schon versetzt. Ohne Absage natürlich. Es vergingen 2-3 Wochen und ich hatte die Nase voll. Zu so einem Quatsch fehlt mir die Zeit.
Der Smart-Händler (denn einen Smart hatte ich in die engere Auswahl gefasst) wollte mir ja immerhin noch 1.500 € geben – leider hatte der aber aktuell kein Smart Modell meiner Vorstellung im Verkauf, sodass der Deal nicht zustande kam.

So stieß ich auf die Plattform Autoscout24 Express Verkauf. Aha. Liest sich alles sehr professionell. Es handelt sich um eine Händlerauktionsplattform, auf die man seinen Wagen einstellen kann. Eine extrem detaillierte Eingabemaske – jede Beule, jeder Kratzer konnte markiert werden, alte Rechnungen hochgeladen etc. Und das beste: Nachdem der Wert des Wagen seitens Autoscout24 geschätzt wurde, wurde eben dieser Wert als Mindestverkaufspreis festgelegt. Alle darunter liegenden Gebote musste ich nicht annehmen. Der Mindestverkaufspreis wurde auf 1.500 Euro geschätzt – juchu! Somit hatte ich die Chance, dass es sogar ein wenig mehr wird.

5 Tage läuft so eine Auktion. Die ersten Gebote in ganz unterschiedlicher Höhe trudeln ein … Am Ende der Auktion lag das Höchstgebot bei 1.777 €. Die Adresse des Höchstbietenden sieht man erst, wenn man dem Gebot zustimmt – also Nägel mit Köpfen und schwupps, war ich mit einem Händler aus Berlin im Geschäft.

Ich kontaktierte diesen und verabredete einen Übergabetermin. Den Wagen würde ich vorher abmelden. Ich wies nochmal darauf hin, dass er den Wagen verladen soll, da meine Werkstatt keine längere Fahrt mehr empfehlen würde.

Der Übergabetermin: Ich hatte eine fette Erkältung, mein Kopf dröhnte. Der Händler schickte „seinen Partner“ mitsamt Abschleppwagen. Gezielt ging es auf Fehlersuche, fehlerhafte Angaben los und wendete dabei eine Einschüchterungstaktik an.

Auf dem Dach sei eine Beule. Ob es mal einen Hagelschaden gab („nein!!??“). Die Tür sei lackiert und gespachtelt („Ja, Lackschäden habe ich ja angegeben“ – „Aber die Tür nicht.“). Der Schlüssel würde kein automatisches Signal mehr senden („Hallo, der Wagen ist 12 Jahre alt???“). ETC.

Immerhin war ich gut genug informiert, dass Lackschäden bei Gebrauchtwagen Bagatellschäden sind.

In den AGB von Autoscout steht klar, dass die Händler nicht nachverhandeln dürfen. Voraussetzung dafür ist, dass alle Angaben korrekt gemacht wurden. Tja – wurden sie dies oder nicht? Wie war die Sachlage? Er drückte und drückte und drückte den Preis, fing mit 700 Euro an. Natürlich hätte ich den Verkauf platzen lassen können – eine Stornogebühr von 149 € wäre die Folge gewesen. Aber die Möhre war abgemeldet und ich hatte ihn nur kurzfristig auf unseren Hinterhof gebracht. Wo hätte ich also mit dem Wagen hinsollen? Abgesehen davon wollte ich ihn wirklich wirklich loswerden. Das war auch dem Käufer klar.

Wir sind bei 850 € gelandet. Es brach mir das Herz. Ich konnte nicht zusehen, wie mein Held verladen wurde. Ich war stinksauer, auf die Verhandlung, auf den Händler, die Plattform, auf mich selbst, auf Gott und die Welt. STINKSAUER! Heulte mich bei Freunden aus und beschloss, das Ganze abzuhaken. Wie traurig zu hören, dass es den meisten schon einmal so ergangen ist.
Zu blöde – nächstes Mal mache ich das besser.

Tage später dann DER ANRUF:

Der Händler aus Berlin rief an. Ich dachte bei mir schon „na, was hat er denn noch gefunden, kann doch wohl nicht sein ernst sein, er hat den Wagen zum Preis einer Handtasche bekommen“. Dann die Krönung: er fragte, ob ich ihm eine gute Bewertung gegeben hätte. „WHATTT????“ „Nein“, sagte ich, „das habe ich auch nicht vor“. Er sagte: „Ich sag Ihnen nochmal was, ich bin ja ein Guter …Ich möchte Ihnen nur nahelegen, die Werkstatt zu wechseln. Wer hat Ihnen bloss erzählt, dass der Turbolader defekt sei? Die Kupplung, es war die Kupplung, das hätte jeder Depp merken müssen. Entweder sind die unfähig oder wollten Sie über den Tisch ziehen. Geben Sie mir nun eine gute Bewertung?“.

Hinweis: die Reparatur eine Kupplung liegt bei ca. 400-600 €.

Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Das brach dem Fass den Boden aus. Gedanken rasten durch meinen Kopf von „gut, dass ich die Fake-Reparatur nicht habe machen lassen“ über „die ganze Welt ist böse zu mir“ bis hin zu „bin ich echt zu blöde, kann man mich derart verarschen?“

Fakt ist: JA. Bin ich. Ich gebe zu: ich habe keine Ahnung von Autos. Ich habe hundert Talente, aber ein technisches Verständnis für Autoreparaturen habe ich nicht. Dafür gibt es ja Profis, die an Frauen wie mir ganz gut verdienen. Ein wenig ZU GUT. Der Händler gab es sogar zu: „Ich habe extra meinen Partner geschickt, denn wenn Frauen inserieren, stimmt meistens etwas nicht“.

Deshalb habe ich mir ja so eine Plattform gesucht. Nicht falsch verstehen, die Plattform kann da nix für. Die Plattform versagt aber in dem Moment, in dem Sachverstand gefragt ist und in dem zwei Menschen aufeinander treffen, die in die Endverhandlungen einsteigen. Ich hätte also gleich „wir kaufen dein Auto“ und Konsorten anrufen können. Es wäre egal gewesen….

Die Händlerbewertung ist noch offen. Wie soll ich damit umgehen? Was für eine Bewertung soll ich abgeben? War die Behandlung wirklich noch fair? Was hättet ihr gemacht?