Neulich habe ich diesen Artikel über einen Transgender auf Investorensuche geschrieben. Man könnte meinen, das sei ja schon ein ziemlich extremer Fall der „Un-Gleichberechtigung“. Nun… einen konkreteren Vorher-Nachher-Vergleich kann ich mir nicht vorstellen – let´s face it.

Es geht auch einfacher (und diesen Test kann jedeR mal machen, vorausgesetzt man möchte die Konsequenzen wirklich tragen).

Ein Mann hat die EMail-Signatur mit seiner Kollegin vertauscht – aus Versehen. Plötzlich bemerkte er, wie ein Kunde herablassend und unhöflich reagierte, seine Fragen ignorierend. Beide arbeiten in einer Arbeitsvermittlung in den USA. Nachdem sie den Fehler bemerkten entschieden sie sich, das Experiment ein wenig fortzuspinnen. Martin erlebte eine grundsätzliche Änderung im Verhalten seine Kunden. Alles, was er vorschlug, wurde hinterfragt. Ein Kunde fragte plötzlich, ob „er“ Single sei.
Nicole hingegen erlebte eine äusserst produktive Woche.
Als das Experiment getwittert wird, melden sich weitere Nutzer mit ähnlichen Erfahrungen.

Warum mache ich mir in letzter Zeit so viele Gedanken über Diskriminierung von Frauen? Das hat ein wenig mit der „Frauenquote“ zu tun. Als freie Marketingberaterin bin ich häufig in DAX Konzernen unterwegs, welche die Quote zu erfüllen haben. Oft genug werden mir dort auch Positionen angeboten (die ich dankend ablehne). Nach eigener Aussage tun sich die Unternehmen sehr schwer damit, Frauen für Führungspositionen gewinnen zu können. Ein Bereichsleiter sagte neulich „mir liegen schlicht und einfach keine Bewerbungen von Frauen vor. Was also soll ich tun? Wie kann ich denn die Position attraktiver gestalten?“

Die zweite von ihm gestellte Frage ist die entscheidende und ich nahm diese sehr wohlwollend zur Kenntnis. Ich war lange Gegnerin der Frauenquote („wer will seine Karriere schon aufgrund einer Quote?“), merke aber nach und nach, dass genau diese Quote zum Türöffner wird, zu einem Umdenken führt.

Was kann man also tun, um diese Positionen attraktiver zu gestalten? In erster Linie muss natürlich eine respektvolle Kultur geschaffen werden. Ferner – so einer Studie der Arbeitsagentur zu Folge –  haben Frauen Angst in der gleichen Position mehr leisten zu müssen als ihre männlichen Kollegen. Dies beweist auch obiges Experiment. Diese Angst muss von ganz oben „entschäft“ werden.
Letztlich muss natürlich auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf über klare Rahmenbedingungen geregelt sein, Freiheiten wie Gleitzeit, Homeoffice, moderne technische Möglichkeiten müssen geschaffen werden, um spontane Videokonferenz zu ermöglichen, falls das Kind krank zu Hause ist.

Was sich so einfach liest, ist es natürlich nicht. Die Schaffung technischer Rahmenbedingung ist noch das leichteste Spiel – die Akzeptanz der Nutzung in von „Präsenzkultur“ geprägten Unternehmen schon wieder alles andere als leicht. Nur irgrendwo muss man ja anfangen.

Ich bin hin und wieder immer noch fassungslos, dass wir 2017 über solche Dinge diskutieren müssen. Auf der anderen Seite denke ich, Frauen sind einfach intelligent genug, sich das ganze „da oben“ einfach nicht anzutun. Die Luft ist dünn, der Druck enorm – nicht nur für Frauen….

Und ihr? Wie viel Druck seid ihr bereits zu tragen? Oder empfindet ihr das gar nicht so? Würdet ihr einfach „ab dafür“, oder ist euch Familie wichtiger oder kämpft ihr für beides?