Es gibt Begegnungen im Leben, die wirken noch lange nach. Heute hatte ich eine solche Begegnung. Ich bin einem Machtmenschen begegnet. Durchaus gespannt auf diesen Menschen, der kein Unbekannter in unserer Branche ist, sehr erfolgreich ebenso (wenn man der allgemeingültigen Definition von Erfolgt nachkommt) zog ich los.


Der Anlass war seine (verzweifelte) Suche nach Unterstützung bei diversen Projekten. Schnell wurde das Gespräch so gedreht, als sei ich die Suchende. („Was suchen Sie?“ „Äh –wieso ich“?). Vom ersten Moment hatte ich den Impuls, den Raum verlassen zu wollen, führte mir aber meine eigenen Ziele vor Augen und blieb (Ja, ganz ohne Ziel war ich nun auch nicht da). Er erzählte also, was er so machte… und alles nicht mehr schaffe. Ich erzählte ein wenig von mir, dass ich meine Freelance-Tätigkeit versuche auf Norddeutschland zu konzentrieren. „Wie wollen Sie das machen?“ (Indem ich nur Aufträge aus … sagen wir aus Norddeutschland annehme???) „Das halten Sie niemals durch, alle Freelancer sind desperate“ (WHATT??? Ich mache das seit 8 Jahren mit zunehmend guter Auslastung). Wieder erzählte er, was er so mache. Mit dem letzten Flieger aus Köln und bis morgens 7.30h Vorstands-Charts erstellen. Dabei bekam er, 52 Jahre, deutlich übergewichtig, fast Schnappatmung. „So arbeite ich nicht, ich setze durchaus einen Fokus“, erklärte ich. „Dann bin ich wohl das Gegenteil von Ihnen“.

Ja, offensichtlich… das Gespräch drehte sich im Kreis, wir bekamen keinen Fuss mehr auf den Boden, wussten gar nicht mehr, was wir voneinander wollten. Raus wollte ich, fühlte mich zunehmend klein gemacht. Aber zu keinem Zeitpunkt traute ich mich zu thematisieren, dass das Gespräch in eine völlig falsche Richtung lief und ich dies gern beenden möchte.

Warum eigentlich fühlte ich mich schlecht? Weder möchte ich so arbeiten, noch möchte ich so leben, sicher auch nicht in einem derart offensichtlich desolaten Gesundheitszustand sein. Eine Seite in mir sagt „ich bin soviel weiter in meinem Bewusstsein, als dieser Mensch es je sein wird“, eine andere Seite in mir fühlt sich angegriffen und klein gemacht. Eine meiner Schattenseiten wurde angesprochen, die, die die Maus in mir zum Tiger machen sollte. Und das machte mir zu schaffen.

Zuhause angekommen gab es erst mal eine doppelte Portion Pasta und nun sitz ich hier mit vollem Bauch, spüle mit einem hervorragenden Rotwein nach und lasse die Situation sacken. Das muss im wahrsten Sinne verdaut werden…. Und ich hoffe ganz stark, dass die Seite in mir, die mein Bewusstsein für die realen Dinge im Leben schafft, die sich auf den Moment konzentriert, die, die fokussieren kann, gewinnt. Ein bisschen Maus werde ich wohl immer bleiben, aber die Maus sorgt auch für ganz schön viel Ruhe in meinen Leben und dafür, dass ich die kleinen Dinge sehe und liebe….